Arm im Arm schlendern wir, als ob es das Normalste wäre auf der Welt, als ob wir ein Paar wären, das das jeden Tag tut. Die Leute, die uns sehen, sehen nur zwei junge verliebte Leute, kann sein, wir sind jung, sind wir verliebt? in einander? Wir reden nicht darüber, die Zeit ist viel zu kostbar, haben nur diesen einen Tag, dann bist du wieder hunderte von Kilometern von mir weg, aus den Augen, aus dem Sinn, schön und easy wär’s, aber das spielt's nicht. Wir wissen beide, dass unsere Sache nur ein kurzes Gastspiel ist, aber wir reden nicht darüber, wir wollen uns die schöne Zeit dadurch nicht vermiesen lassen. Ich erzähl dir nichts von den verschiedenen Typen, mit denen ich zur Zeit was laufen hab, auch nicht, dass ich da schon viel zu weit gegangen bin, und du erzählst mir nichts von deiner Freundin die daheim auf dich wartet, es ist wie ein geheimer unsichtbarer Pakt, den wir geschlossen haben, um uns gegenseitig nicht zu verletzten. Unehrlich, vielleicht oberflächlich, aber auch irgendwie schön, so als wäre alles in Ordnung. Als wir gemeinsam quer durch Wien spazieren gingen, dachte ich mir, dass wenn uns die Leute ansehen, ein Paar sehen, vollkommen fremde Leute gaben uns damit die Chance, die wir uns selbst nicht gaben. Es war wie eine Flucht nach vorne, die Flucht vor der Realität, für diesen einen Tag bauten wir unsere eigene Realität. Doch wie jeder Tag ging auch dieser wieder vorbei, der Abschied, kein richtiger, keiner sagte auf Wiedersehen. Die Abschiedsfloskeln mit Metaphern nur so vollgestopft, weil keiner klar das sagen wollte, was zu sagen gewesen wäre. Ich glaub ich hab irgendwas kaputt gemacht, nicht damals und auch nicht heute, aber irgendwann dazwischen.
Die Zeit heilt alle Wunden, angeblich, ich glaub sie meinen nur, dass man mit der Zeit vergisst, darin bin ich absolut nicht gut, weil ich alles dafür gebe, um Dinge, Ereignisse und Menschen, die mir wichtig waren nicht zu vergessen. Das bedeutet aber dann auch, dass es immer weh tun wird, es gibt für alles einen Preis.